Warum sich selbst loslassen?

Meditieren heisst entspannen. Entspannen heisst loslassen. Den Körper, aber auch den Geist. Unter Loslassen des Körpers kann man sich leicht etwas vorstellen, den Geist entspannen bzw. loslassen meint sich von Inhalten, von Bedeutungen und Vorstellungen zu trennen. Dies umfasst neben sämtlichen Sinneswahrnehmungen auch Gedanken, die mich nicht loszulassen scheinen. Loslassen bedeutet nicht unterdrücken, verdrängen oder abstellen. Es bedeutet aber auch nicht, dass diese ergründet werden müssen, ein Sinn zu suchen und finden ist, damit diese verarbeitet und zum Schweigen gebracht werden können. Loslassen der Wahrnehmungen und Gedanken heisst, diese gewähren und sein zu lassen als das, was sie sind: Gedanken und Wahrnehmungen.

Ähnlich verhält es sich mit sich selbst, dem Selbst, dem Ich oder dem Ego. Es geht nicht darum, das Selbst loszuwerden, sich in irgendeiner Form zu unterwerfen, kleinzumachen. Sich selbst loszulassen bedeutet, das Selbst als das zu durchschauen, zu erkennen, was es ist und insbesondere, was es nicht ist. Auch hier ist keine Persönlichkeitsanalyse nötig, kein Erkunden der wahren Bedürfnisse und auch kein Aufrollen und Verarbeiten vergangener scheinbar prägender Ereignisse. All diese sind so wie sie sind. Sie können, müssen aber auch nicht untersucht und verändert werden. Sie können auch nicht verändert werden. Wir werden von aussen bestimmt. Von Meinungen, Anregungen, Wünschen, Anforderungen. Wir werden aber auch von innen bestimmt, ohne dies zu wollen oder beeinflussen zu können. Unseren Ehrgeiz können wir nicht selbst bestimmen. Den Grad des Fleisses haben wir uns nicht ausgesucht, genauso wenig wie die Liebenswürdigkeit, das Einfühlungsvermögen oder den mehr oder weniger gesunden Menschenverstand. Ganz zu Schweigen von der Herkunft. Loslassen heisst, zu diesen Eigenschaften eine gesunde Distanz zu wahren. Sie sind so, wie sie sind, aber wenn dies schon mal so erkannt ist, verlieren diese an Einfluss und eine wohlige Gelassenheit macht sich bemerkbar.