Warum Meditieren?

In vielen Kulturen und Traditionen, insbesondere in östlich von uns gelegenen, ist eine solche Frage obsolet. Meditieren und die dafür zugrunde liegende Philosophie gehören von klein auf so selbstverständlich zum Leben wie das Licht zum Tage. So wie jedoch vermehrt unsere westlichen Verlockungen diese östlichen Traditionen zu verdrängen vermögen, ist umgekehrt seit einiger Zeit ein wachsendes Interesse an den z. T. Jahrtausende alten Praktiken aus dem fernen Osten festzustellen. Yoga, Buddhismus, Advaita, Zen, um nur ein paar zu nennen, gewinnen hierzulande immer stärker an Zulauf. Vermehrt wird erkannt, dass neben dem Leistungs- und Erfolgsprinzip, dem wir oftmals nicht mehr zu entkommen scheinen, auch etwas anderes zählen muss. Meist machen Menschen mit diesen Praktiken Bekanntschaft, wenn sie merken, dass irgendetwas in ihrem Leben nicht stimmen kann, sei es zu viel Stress, unkontrollierbare und unerträgliche Gedanken, Schlaflosigkeit, Angst oder einfach nur die Einsicht, dass es das nicht sein kann.

Späte Einsicht ist immer besser als gar keine. Es muss aber auch nicht erst etwas schief laufen im Leben, um den Schritt ins Meditieren zu wagen. Es muss auch nicht aus der Einsicht herauskommen, dass profylaktisch dem Burnout zuvorzukommen ist. Mag sein, dass durch regelmässiges Meditieren der Gang zum Arzt oder in einen Wellnesstempel erspart werden kann. Meditieren sollte aber nicht einfach nur als Mittel zum Zweck verstanden werden. Es sollte sich dabei nicht lediglich um einen weiteren Baustein handeln, um sich noch ein bisschen effizienter und fitter für den harten Kampf gegen die Konkurrenz zu machen. Wird durch Meditieren eine bestimmte Absicht verfolgt, wird dadurch selbst ein Teil des Weges undurchdringlich. Meditieren heisst loslassen. Nicht nur schlechte, störende Gedanken, Stress oder schmerzende Gefühle. Um dies alles gänzlich loslassen zu können, wird man auch sich selber, und dazu gehören eben auch Absichten, Wille und sogar seine eigenen Wahrnehmungen, loslassen müssen. Das heisst nicht, dass all dies, meine Welt oder ich selbst, verschwinden muss. Wenn ich ein Glas loslasse, dann verschwindet es auch nicht einfach. Entweder steht es noch immer vor mir auf dem Tisch oder es liegt in Scherben auf dem Boden. Es gilt lediglich, eine Bindung, die Identifikation damit zu lösen. Sein lassen, wie es ist.
Die Welt und sich selbst. Und letzten Endes eben auch den Grund, die Absicht, die Motivation, dies zu tun.

Die Antwort auf die im Titel gestellte Frage ist demnach nicht wirklich zu beantworten. Oder am ehesten vielleicht doch so: Warum nicht?